ARTIKEL 6 VON 6 · KONZEPTE UND STRATEGIEN

Sondern eine Entscheidung über die Zukunft der Insel

Diese Serie endet dort, wo sie eigentlich enden musste: nicht bei einer konkreten Plattform, sondern bei der Frage, welche Art von Tourismus La Palma in Zukunft tragen will.

Über fünf Artikel hinweg ging es um ein scheinbar technisches Thema: Preisparität, Genius-Rabatte, lokale Vermittler, entweichendes Geld, ein Gegenmodell. Wer alle fünf gelesen hat, hat etwas Konkretes gelernt – wie Booking.com wirklich funktioniert, und was die Alternative ist.

Aber das eigentliche Thema dieser Serie war von Anfang an größer als Booking.com.

Eine kurze Zusammenfassung, ohne Wiederholung

Artikel 1 zeigte, dass der Vermieter auf internationalen Plattformen oft nicht mehr selbst entscheidet, was er für sein eigenes Haus erhält. Artikel 2 konkretisierte das am Beispiel Genius: Den Rabatt, der den Gast anlockt, zahlt der Vermieter. Artikel 3 zeigte, wer dabei sonst noch verliert – die lokalen Vermittler, deren Arbeit die Buchung überhaupt erst ermöglicht. Artikel 4 rechnete das auf Inselebene hoch: eine Summe, die La Palma jedes Jahr fehlt. Artikel 5 stellte das Gegenmodell vor – ein System, bei dem der Vermieter von Anfang an weiß, was er erhält.

Jeder dieser Artikel war für sich genommen ein praktischer, eigenständiger Hinweis für Vermieter auf La Palma. So war es gedacht: zuerst das Problem greifbar machen, dann in einen größeren Zusammenhang stellen.

Die größere Frage

Jetzt, am Ende der Serie, lohnt sich ein Schritt zurück. Jede einzelne Buchungsentscheidung – welcher Kanal, welcher Vermittler, welches Preismodell – ist für sich genommen klein. Aber in der Summe ist es etwas anderes: eine kleine Stimme darüber, ob das Geld, das der Tourismus auf die Insel bringt, dort bleibt – oder ob es seinen Weg fortsetzt, kaum dass es angekommen ist.

Das ist im engeren Sinne keine moralische Frage. Niemand muss sich schuldig fühlen, weil er bei Booking.com gebucht oder über die Plattform vermietet hat. Es ist eine strukturelle Frage: Welches Tourismusmodell will La Palma tragen – eines, das sich selbst stärkt, oder eines, das von außen verwaltet wird?

Wirtschaft als Teil eines größeren Konzepts

Genau hier setzt ein Konzept an, das wir in den kommenden Monaten ausführlicher vorstellen werden: der Öko-Sozial-Regenerative Tourismus, kurz ÖSRT.

Dieses Konzept wird oft, zu Recht, mit Naturschutz oder sozialer Verantwortung verbunden – weniger Plastik, faire Arbeitsbedingungen, Respekt vor Ökosystemen. Das ist wichtig, aber nur ein Teil des Bildes. Diese Artikelserie zeigt den Teil, der oft übersehen wird: die wirtschaftliche Verankerung als regenerativer Akt.

Eine Insel regeneriert sich nicht nur durch weniger Müll oder mehr Bäume. Sie regeneriert sich auch dann, wenn die wirtschaftliche Substanz, die der Tourismus erzeugt, im Gebiet bleibt – in den Händen der Vermieter, der lokalen Vermittler, der Betriebe, die von diesem Geld leben. Das war genau der rote Faden dieser sechs Artikel, auch wenn der Begriff ÖSRT bis jetzt nicht gefallen ist.

Ein regenerativer Tourismus, der nur über Ökologie spricht und die Wirtschaft außen vor lässt, regeneriert am Ende nur die halbe Sache.”

Warum das auch eine politische Angelegenheit ist

Diese Serie hat sich bisher vor allem an Eigentümer von Ferienunterkünften auf La Palma gerichtet. Aber die Zahlen aus Artikel 4 – mehrere Millionen Euro jährlich, die über Provisionen und Rabatte von der Insel abfließen – sind nicht nur ein unternehmerisches Argument. Sie sind ein Argument über das Entwicklungsmodell der gesamten Insel und damit auch ein legitimes Argument für die politische und institutionelle Debatte.

Deshalb werden diese sechs Artikel direkt an die Tourismusverantwortlichen der wichtigsten auf La Palma vertretenen politischen Kräfte verschickt – PSOE, Coalición Canaria und PP – sowie an Contigo La Palma, zusätzlich auch an Medien der Insel. Es handelt sich nicht um ein Argument für eine einzelne Partei, sondern um Daten, die jede politische Kraft, ob in Regierungsverantwortung oder nicht, prüfen, hinterfragen und nutzen können sollte.

Der Verfasser dieser Serie berät Contigo La Palma in touristischen Fragen, auf Wunsch dieser Formation. Die Daten, Berechnungen und Schlussfolgerungen dieser sechs Artikel hängen jedoch nicht von dieser Zusammenarbeit ab und sind nicht auf sie beschränkt: Sie stehen gleichermaßen denen zur Verfügung, die die Insel heute regieren, wie denen, die sie zuvor regiert haben. Eine korrekte Zahl darüber, wie viel Geld La Palma verlässt, ändert sich nicht danach, wer sie liest.

Was jetzt kommt

Diese Serie war bewusst eigenständig und konkret gehalten – ein Thema für Vermieter, das für sich selbst trägt und sich unabhängig davon lesen lässt, ob sich jemand für das größere Konzept interessiert oder nicht. So sollte es sein: zuerst das Problem mit einem echten Beispiel und echten Zahlen greifbar machen. Danach in den Zusammenhang stellen.

In den kommenden Artikeln wird der ÖSRT als eigene Kategorie entwickelt – mit demselben Anspruch, den diese Serie zu erfüllen versucht hat: keine Aussage ohne Zahlen, keine Lösung ohne ehrliche Problembeschreibung, und kein Konzept, das nur in der Theorie gut klingt.

Was das für dich bedeutet

  • Wenn du Vermieter bist: Du musst nicht zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Tourismus wählen, um hier etwas zu verändern. Es reicht zu verstehen, wo dein eigenes Geld tatsächlich landet. Jede Entscheidung hin zu einer direkteren, lokal verankerten Vermarktung ist gleichzeitig eine wirtschaftliche und eine regenerative Entscheidung – hier lassen sich beide nicht trennen.
  • Wenn du auf La Palma lebst oder am öffentlichen Leben teilnimmst: Diese Serie gibt dir eine Daten- und Argumentationsgrundlage, keine Meinung. Du kannst sie nutzen, um in jedem Nachbarschafts-, Institutions- oder politischen Forum zu fragen, wie viel Wirtschaftswert der Insel heute entgeht – und welche Modelle, wie RentaSegura, zeigen, dass es eine echte Alternative gibt.
  • Wenn du Palmero oder Palmera bist und dich, mit oder ohne politisches Amt, für eine Insel einsetzt, die mehr über ihre eigene Zukunft entscheidet: Diese Daten gehören dir genauso wie uns. Wer diese Serie unterzeichnet, beansprucht nicht, im Namen La Palmas zu sprechen, sondern möchte Zahlen und Argumente an die liefern, die bereits – mit oder ohne öffentliches Amt – an einer wirtschaftlich stärkeren und selbstbestimmteren Insel arbeiten.
  • Diese Serie war der Anfang, nicht das Ende. Was als Kritik an Plattformen begann, wird Teil eines größeren Projekts für La Palma.

Ist eine Buchung für dich nur eine Transaktion — oder auch eine kleine Entscheidung darüber, welche Insel La Palma in zehn Jahren sein wird?

Teil 6 von 6 — Ende der Serie „Dein Haus – Dein Preis – Deine Insel“. Demnächst: die neue Kategorie Öko-Sozial-Regenerativer Tourismus (ÖSRT).